Pilotstudie Funktionale Entmischung durch Nachverdichtung

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Canan Çelik

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Der boomende Wohnungsmarkt in deutschen Großstädten führt zur Verdrängung
von Gewerbebetrieben aus den Innenstädten

Erste Ergebnisse aus der laufenden gemeinsamen Pilotstudie von ILS, RWI und RWTH Aachen

Wachsende Einwohnerzahlen und Immobilieninvestitionen der letzten Jahre hatten insbesondere in den deutschen Großstädten zu einer starken Nachfrage nach Bauflächen geführt. Eine der Folgen ihres Mangels ist die verstärkte Nachverdichtung bestehender Quartiere durch neue Gebäude und Nutzungen. Damit wird das Flächenwachstum der Stadt gebremst und wertvolle Natur-, Erholungs- oder Landwirtschaftsflächen geschützt. Auch steht die Verdichtung bestehender Stadtquartiere im Einklang mit dem Leitbild der kompakten europäischen Stadt. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass möglichst viele Nutzungen für die Bewohner direkt im Quartier erreichbar sind. Unter anderem wird so der Stadtverkehr reduziert oder leichter auf Fuß-, Rad oder den öffentlichen Nahverkehr verlagert.

Die Pilotstudie „Nutzungsveränderung in Quartieren durch Nachverdichtung“ der Wissenschaftler am Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) in Dortmund, des RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen und der RWTH Aachen University zeigt, dass es in den letzten Jahren in den deutschen Großstädten zumeist zu einem Verlust von Nutzungsvielfalt in den durch die Nachverdichtung besonders geprägten Stadträumen kam. Die Forscher sind der Frage nachgegangen, inwiefern sich in den sechs größten Städten Deutschlands das Verhältnis von Gewerbestätten und Wohnnutzung in durch das Gewerbe bzw. Wohnen geprägten Räumen mit einer hohen Entwicklungsdynamik verändert hatte. Die Ergebnisse zeigen, dass es dort zur Verdrängung von Gewerbe durch Wohnen kam, auch wenn diese Prozesse in unterschiedlicher Intensität abliefen. Nur in wenigen der untersuchten Gebiete lässt sich ein umgekehrter Trend feststellen; das heißt Wohnen wird dort vom Gewerbe verdrängt. Dabei handelt es sich jedoch meist um Gebiete außerhalb der innerstädtischen Bezirke, was auf die Verdrängung von Gewerbe aus den integrierten städtischen Lagen in städtische Randgebiete hinweist.

Die Aussagen beruhen auf der Auswertung von Rasterdaten und Satellitenaufnahmen der Städte Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. Die Datensätze geben Auskunft über die Anzahl verschiedener Nutzungstypen (Wohn- und Gewerbestätten) in digitalen Rastern der einzelnen Stadtgebiete. Für die Studie wurden Räume mit relativ starker Veränderung in Anzahl von Wohnungen und Gewerbestätten in Betracht gezogen. Dafür wurden Daten der Jahre 2005 und 2015 miteinander verglichen und entsprechende Entwicklungen jeweils zwei zentralen Typen zugeordnet. Diese beinhalten Bereiche, die zuvor in unterschiedlichem Maße gewerblich bzw. durch das Wohnen geprägt waren. Bei beiden Typen konnte zumeist eine unterschiedlich starke, aber dennoch deutliche Verdrängung von Gewerbe durch Wohnen bei gleichzeitiger Zunahme der Nutzungsdichte festgestellt werden. Die Ergebnisse der gesamten Pilotstudie sollen in 2020 veröffentlicht werden.

Projektteam

  • Juniorprofessor Jan Polívka, Sophie Doerner, Diane Matuschek
    Forschungsgruppe Raumbezogene Planung und Städtebau (Adaptive urbane Systeme) am Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung & Lehrgebiet Nachhaltige Wohnbestandsentwicklung RWTH Aachen University
  • Hermann Rappen
    Kompetenzbereich Wachstum, Konjunktur, Öffentliche Finanzen am RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung
  • Canan Çelik
    Lehrstuhl für Städtebau und Entwerfen und Institut für Städtebau und europäische Urbanistik, RWTH Aachen University