Auf dem Weg zu adaptiven Städten?

  Dr Stephanie Geertman bei ihrem Vortrag Urheberrecht: © Juniorprofessur für Nachhaltige Wohnbestandsentwicklung

Dr Stephanie Geertman (Fachhochschule Amsterdam)

Dienstag, 8. Oktober 2019, 17 bis 19 Uhr

ILS-Kolloquiumreihe zu Planung und Design für anpassungsfähige Städte und Stadtteile

Überlegungen zum Fall Hanoi, Vietnam

Gastredner: Dr. Stephanie Geertman, Fachhochschule Amsterdam

Stadtplanung und -gestaltung konzentrieren sich traditionell auf die gebaute Stadt. Es besteht jedoch eine Diskrepanz zwischen der Art und Weise, wie Städte gebaut werden und wie die Menschen in ihnen leben: „Das Gebaute ist eine Sache, wie Menschen in ihnen leben eine andere“, Richard Sennett 2018, i. Die adaptive Stadt, wie sie in diesem Seminar angesprochen wird, kann sowohl als gebaute nicht bauliche städtische Umwelt verstanden werden, die sich an Veränderungen anpasst. In diesem Vortrag wurde die adaptive Stadt als beides konzipiert: Die Bauform der Stadt wird mit der Anthropologie der Stadt in Beziehung gesetzt und umgekehrt.

Aufbauend auf Diskursen, die die Funktionsweise des räumlichen Engagements auf mehreren Ebenen als komplexe Kontinuität zwischen politischen, sozioökonomischen und kulturellen Lebensbereichen verdeutlichen, zeigte der Vortrag die Verhandlung zwischen Akteuren als einen Schlüsselaspekt für adaptive Städte. Sie ermöglicht den Akteurinnen und Akteuren Entscheidungen über die Nutzung und Gestaltung von Raum in einem bestimmten Kontext zu treffen. Darüber hinaus beleuchtete der Vortrag den ostasiatischen Kontext mit seinem eigenen Organisationssystem. Einschließlich Planung kennt dieser aufgrund seines pluralen, nicht linearen Verlaufs eigene Strategien zur Konsensbildung und Umsetzung. Ausgehend von empirischen Daten, die in der Hauptstadt Vietnams, Hanoi, gesammelt wurden, lieferte Stephanie Geertman praktische Einblicke in die Funktionsweise eines solchen nichtlinearen – komplexeren – urbanen Systems. In Hanoi ermöglicht das politisch-ökonomische Planungssystem Alltagspraktiken, die den einfachen Bürgern Möglichkeiten zur kontinuierlichen Transformation der sozialpolitischen als auch der räumlich-kulturellen Stadtlandschaft entwickeln.

Stephanie Geertman ist Senior Researcher in der Forschungsgruppe Psychologie für nachhaltige Städte an der Fachhochschule Amsterdam. Sie studiert städtische Alltags-Raumpolitik und räumliche Praktiken der Bürger. Sie untersuchte dies in drei Bereichen: informeller Wohnungsbau, Jugend und öffentlicher Raum und kreativer Stadtsektor. Der größte Teil dieser Arbeit basiert auf empirischer Forschung in Vietnam, wo sie als internationale Beraterin für die UNO, NGOs und die Praxis arbeitete und 12 Jahre lang lebte. Derzeit konzentriert sie sich auf die Rolle der alltäglichen Stadtpolitik bei der Schaffung integrativer und klimaneutraler Städte. Am ILS koordinierte sie einen EU-Vorschlag zur Umstellung von sechs städtischen Quartieren in Europa, Lateinamerika und Asien auf erneuerbare Energien.